Offene Fragen, die Kunst Gesprächsräume zu eröffnen

Offene Fragen, die Kunst Gesprächsräume zu eröffnen

Eine offene Frage mit interessierter Haltung kann Türen und die dahinter liegenden Gesprächsräume leicht öffnen. Kennen Sie das Gefühl, dass Sie jemandem schon ewig zuhören und Sie sich fragen: „Und was hat das mit mir zu tun?“Es gibt natürlich auch die Situation, dass sie einem sprechenden Stein begegnen.

Im folgenden Artikel finden Sie ein paar Anregungen, um unter anderem mit diesen Situationen umzugehen.

Offene Fragen als Türöffner.
Dem guten Frager ist schon halb geantwortet. F. Nitzsche

Was sind offene Fragen?

Offene Fragen beginnen mit einem Fragewort oder beinhalten ein Fragewort.

Fragewörter können sein:

  • wer
  • wie
  • was
  • wo
  • woher
  • wodurch
  • womit
  • welche
  • wieso, warum, weshalb

Beispiele: Was sagen Sie zu diesem Vorschlag?

Was gefällt Ihnen an der Neuerung am besten?

Wie beurteilen Sie unsere Zusammenarbeit?

Wodurch können wir die nächsten Schritte noch effizienter machen?

Welche Vorteile haben offene Fragen?

Offene Fragen brauchen ausreichend Zeit zur Beantwortung und geben somit dem Gegenüber Redezeit. Mit einer offene Frage richten Sie die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache. Sie öffnen die Tür zu einem Gesprächsraum. Das heißt, Sie lenken mit der Frage die Gedanken und die Richtung des Gespräches.

Ihre Vorteil dabei ist, dass Sie die Denkwelt des anderen besser kennen lernen.

Die Konsequenz ist, dass der Gesprächspartner sich besser verstanden fühlt.

Eine Frage der Haltung

Die Wortwahl und die Formulierung sind wichtig. Noch wichtiger ist aber die Haltung dahinter. Diese lässt sich nicht durch theoretisches Wissen erlangen. Wenn die Haltung und die Aussage nicht übereinstimmen, erkennt das der Gesprächspartner meist.

Es ist wichtig, dass der Gesprächspartner ernst genommen wird. Wenn ich die Antwort nicht wirklich verstehe oder sie bei mir eine Deutung hervorruft, kann ich nachfragen.

Die Fragen sollen mit einer Haltung des Nicht-Wissens gestellt werden. Das heißt, ich eröffne mit der Frage einen Raum, erhelle vielleicht einen Teil daraus und lehne mich dann zurück.

Durch aktives Zuhören stelle ich klar, dass ich die Antwort verstanden habe und kann daraus neue Fragen kreieren.

Techniken

Wenn die Fragen nicht einfach herausplätschern oder Sie in eine bestimmte Richtung das Feld mehr explorieren möchten gibt es noch ein paar hilfreiche Techniken. Ich möchte Ihnen hier meine drei liebsten vorstellen:

Die Frage nach dem Unterschied:

Wann es ist besser, schöner, leichter….?

Was ist anders, wenn….?

Wo können Sie (ZB) sich besser konzentrieren?

Was brauchen Sie, damit…?

Skalierung:

Sie fragen nach der Einordnung auf einer Skala und spielen dann mit den Fragen rund um diese Einordnung.

Wichtig ist, dass Sie die Einordnung des Gesprächspartners ernst nehmen. Sie entspricht seinem subjektiven Empfinden und ist somit richtig. Ihnen dient sie als Gesprächsgrundlage und als Orientierungspunkt, um Sachen herauszufinden.

Wie kommen Sie auf diese Einschätzung?

Was sind die guten Dinge für Sie daran?

Was könnten Sie tun, dass Sie die Lage, Ihre Performanz, die Zahlen eine Stufe besser einschätzen würden?

Zusammenfassung der Antwort und daraus eine neue Frage zu einem Detail finden.

Das heißt, sie erweitern den Betrachtungsraum erst und fokussieren dann auf Details.

Wo sind offene Fragen besonders hilfreich:

Nachfolgend finden Sie eine Aufzählung von Situationen, bei denen Sie offene Fragen gut anwenden können.

•Interesse zeigen

•Gesprächsrichtung ändern

•Diplomatische Korrektur

•Vertrauensbasis schaffen

•Welt des Gegenübers kennenlernen

•Angriffe ablenken

•Zeit gewinnen

Und zum Schluss:

Probieren Sie es! Es ist eine Sache der Übung. Nicht jede großartige Frage bringt großartige Resultate als Antworten. Manchmal passt eine Frage, manchmal kann der Gesprächspartner nichts damit anfangen. Dann finden Sie eine neue.

Wenn Sie ihrem Gegenüber mit wohlwollender Neugierde begegnen, haben Sie gute Chancen angenehme und vielleicht auch ertragreiche Gesprächsräume zu öffnen und zu erleben.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Experimentieren und freue mich über Rückmeldungen.

Hier finden Sie einen Ausschnitt zu einem Vortrag, den ich zu diesem Thema gehalten habe:

Ausschnitt aus dem Vortrag im Rahmen der Division Confernce 2020 des
Wiener Toastmasters Rhetorik Klub

Homeschooling, Zeitmanagement, Selbstreflexion

Homeoffice und Homeschooling, Kalender, Zeitplan ist wichtig.

Photo by STIL on Unsplash

Homeschooling, Zeiteinteilung und Selbstreflexion

In Zeiten der Fernlehre zeigt sich umso mehr, wie wichtig es ist, dass Schülerinnen und Schüler sich Kompetenzen aneignen, die sie zu autonomen Lernern machen.

Es gibt viele Teilschritte und Teilkompetenzen auf diesem Weg.

Eine Kompetenz davon ist ein gutes Zeitmanagement, eine weiter die Selbstreflexion. Diese sollte mit einem kritischen, wohlwollenden Blick auf einen selbst erfolgen. Es geht dabei um die Beobachtung des Prozesses und der eigenen Grenzen.

Wichtig ist es, dass sowohl beobachtet wird, was gut läuft, beziehungsweise bei einer gewissen Lernphase gut gelaufen ist, als auch das, was modifiziert werden soll.

Durch das Notieren der Beobachtungen hat der Lernende später Vergleichswerte.

Bei jüngeren Schülerinnen und Schülern ist es sinnvoll, wenn die Eltern durch Fragen unterstützen.

Es ist aber wichtig, dass die Kinder ihre eigenen Lernpläne und Beobachtungen machen. So haben sie am Ende ein Erfolgserlebnis und lernen sich besser kennen.

Im Rahmen des Unterrichts erstellten einige Schülerinnen Lernpläne, die ich an dieser Stelle vorstellen möchte. Ich danke den Schülerinnen der 9. Schulstufe, dass sie mir und somit auch Ihnen ihre großartigen Werke zur Verfügung gestellt haben.


Lernplan und Selbstbeobachtung Beispiel 1

Gesprächsnotiz zu Homeschooling und Zeitmanagement

Im Prinzip haben wir alle dieselben Aufgaben gemacht. Nur jeder hat es verschieden aufgeteilt auf die Tage. Jeder hat gerade extremst viel zu tun, das heißt wenn man sich keinen guten Plan für die ganze Woche macht, haben wir alle besprochen, dass es sehr schwierig wird. Vor allem kriegt man sehr viel Aufgaben auf deshalb haben wir beschlossen, uns alles aufzuschreiben. Ich habe mir einen Kalender zugelegt, um mir alle Aufgaben einzutragen, sonst hat man keine Übersicht. Generell haben wir eines beschlossen, dass wir alle sehr froh sind, wenn die Schule wieder beginnt und wir uns alle wieder sehen und wir wieder einen regulären Unterricht haben.

Lernplan und Selbstbeobachtung Beispiel 2

Lernplan_Zeitmanagement_Selbstebeobachtung

Selbst eine große Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

In diesem Sinne, wünsche ich allen viel Spaß, die die ersten oder nächsten Schritte auf dem Weg zum autonomen Lernen gehen wollen.

Natürlich freue ich mich sehr über Erfahrungsberichte und Anregungen.

Homeschooling und Fernlehre

Seit 2 Wochen treiben wir am Ozean der Fernlehre. Plötzlich bestiegen wir ein Schiff, dessen Kurs nicht klar war und für das wir auch nur teilweise die nötigen Kompetenzen hatten.

Der Ozean ist ruhig und wir sind eine lernende Organisation. Im Rahmen eines Online Lernauftrages über den eigenen Lernalltag sind viele tolle Texte entstanden. Die SchülerInnen haben mir ein paar zur Verfügung gestellt, die ich hier vorstellen möchte.

Beim Freewriting geht es darum, den Gedankenfluss auf Papier zu bringen- unkorrigiert. Sozusagen „schreiben unplugged“.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Dilan, Bastian und E. für die Texte bedanken, und euch liebe Leser auf ein paar Gedankenreisen einladen.

Freewriting von E.
Freewriting, Fernlehre aus Schülersicht
Freewriting von Dilan 10.Schulstufe
Bastian beschreibt seine Sichtweise und seine Einstellung zum neuen Lernalltag zu Hause
Freewriting von Bastian Sziber

Freewriting oder besser gesagt „shity first draft“ zu: Mein Alltag beim Homeschooling

So, eigentlich sollte ich auch ein Freewriting machen, nachdem ich es meinen Schülern diese Aufgabe gestellt habe. Mein Computer flüstert es mir förmlich zu, als ich ihn heute einschalte.

Er ist momentan mein einziges Gegenüber. Außer den Vögeln, die vor meinem Fester herumfliegen. Manchmal schaut mich aus dem Computer jemand an, wenn ich eine f2f Sitzung habe. Aber das kommt selten vor. Nun kann sich jeder und jede einteilen, wann er oder sie die Aufgaben erledigt. Deshalb poppen normalerweise nur Mails auf oder Nachrichten am Handy.

Das Wochenende war sehr arbeitsintensiv. Ich wollte alle Aufträge fertig haben, damit meine SchülerInnen einen Überblick haben, wenn sie am Montag die Lernplattformen besuchen. Außerdem wollte ich noch eine Montagsbegrüßung als Audiofile raufladen. Etwas Persönliches.

Nach einer Woche habe ich so das Gefühl, als ob manche ganz weit weg wären. Andere sind sehr präsent, fragen viel nach. Manche geben ihre Aufträge ab. Die meisten machen das nicht. Verwechseln sie vielleicht Homeschooling mit Ferien? Vielleicht sogar mit den Sommerferien, in denen definitiv nichts zu tun ist?

So ist es nicht gemeint. Aber es fehlt natürlich jemand, der die Aufforderungen öfter gibt oder der durch seine bloße Anwesenheit daran erinnert. Lernplattformen kann man einfach ausschalten.

Also steige ich darauf um, dass ich zumindest die Begrüßung mit einer Lesebestätigung mache. Wird das etwas ändern? Mal sehen.

Etwas, das mir heute Morgen noch eingefallen ist, sind die Umgangsformen. In den Zeiten, in denen wir nicht so viel mit einander reden, sind die Umgangsformen noch einmal doppelt so wichtig. Aufbauende Worte sind noch effizienter. Wir brauchen ein Feedback. Zumindest ich brauche das. Jedes Wort wirkt noch stärker. Also habe ich noch stärker versucht persönlich anzusprechen und aufzubauen. Mal sehen wie es ankommt. Wird es jemand merken?

Und ich werde Präsenzphasen einbauen, um einen gewohnten Ablauf zu suggerieren. Mal sehen, wie das aufgenommen wird. Ich hoffe, das erfahre ich von den Rückmeldungen meiner SchülerInnen.

Es ist der nächste Schritt im Abenteuer Fernlehre.